
Wester-Wald; Foto: Christoph Orthen
In der letzten Gemeinderatssitzung vom 07. Sept. 2026 wurde ein umfassender Bericht über die Zusammensetzung und den Zustand des Gemeindewaldes von Horhausen vorgestellt. Im Auftrag der Verbandsgemeinde AK-FF analysierte und berichtete Carsten Bender vom Forstplanungsbüro Bender in Betzdorf.
Im Fachjargon nennt sich diese „Inventur“ des Waldes das „Forsteinrichtungswerk“. Normalerweise soll dieser Waldbericht etwa alle 10 Jahre erstellt werden; die letzte Betrachtung erfolgt allerdings bereits 1994. Dieser jeweils aktuellste Waldzustandsbericht ist die Grundlage der Gemeinde und des zuständigen Revierförsters für die Betriebspläne und Maßnahmen im Gemeindewald in den folgenden Forstwirtschaftsjahren.
Die reine Waldfläche des im Eigentum der Gemeinde Horhausen befindlichen Waldes beträgt 65,3 ha; dazu kommen Nebenflächen (z.B. Wege, Brachen) sowie Mischflächen aus Wald/landwirtschaftlichen Flächen, sodass die forstliche Betriebsfläche insgesamt 82,8 ha beträgt. Im Zuge der Flurbereinigung der letzten Jahre hat die reine Waldfläche der Gemeinde um 13,4 ha zugenommen.
Nach den statistischen Daten erfolgte eine Betrachtung der Waldfunktionen, der Zusammensetzung und des Zustandes. Besonders prägend und auffallend gerade des Horhauser Waldes ist aufgrund seiner Gesamtgestaltung - seine Bedeutsamkeit für das lokale Klima. Herr Bender stellte dieses auffallende wichtige Merkmal im Vergleich zu anderen Waldgebieten besonders heraus. Weitere wichtige Funktionen des Horhauser Waldes sind u. A. der Landschaftsschutz, die Erholungswirkung und auch verschiedene Objektschutzwirkungen (Immissions-, Lärm-, Sicht-, Verkehrsstraßenschutz).
Die Zusammensetzung des Horhauser Waldes im Einzelnen hat sich in den letzten 10 Jahren durch Klimawandel, Sturmereignisse und Borkenkäferbefall gravierend verändert. Im Gemeindewald gingen in dieser Zeit rd. 14.000 fm an Fichten verloren. Zuvor gab es etwa 35 ha Fichtenbestände, heute sind es noch 5 ha. Der Ist-Vorrat an Holz insgesamt ist in Relation zu 1994 unter Einbezug aller Kriterien um die Hälfte zurückgegangen. Etwa ¾ sind aktuell Laubbäume und ¼ Nadelbäume; die Haupt-Baumarten sind Eiche (26 %), Buche (16 %), Fichten (7 %), Kiefern (7 %) sowie Douglasien und Lärchen (jeweils 2 %). Der jährliche Holzuwachs wird je nach Baumart betrachtet und genau berechnet; hieraus leitet sich zur Erzielung einer neutralen Entnahme und eines gesunden Zukunftsbestandes ein jährlicher durchschnittlicher Einschlag von rechnerisch 173 fm ab.
Durch die einschneidenden Veränderungen hat sich auch die Zusammensetzung in den verschiedenen Altersklassen deutlich verändert. Die mit Abstand stärksten Altersklassen sind heute mit rd. 22 ha die Klasse 1 (1-20 Jahre alt) und mit rd. 16 ha die Klasse 5 (81-100 Jahre alt). Dies bedeutet im Prinzip, dass die Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten im Gemeindewald keine großen wirtschaftlichen Aktivitäten wird ausführen können. Vielmehr liegt die Priorität jetzt darauf, den bestehenden Wald zu erhalten und möglichst klimaresistent für nachfolgende Generationen zu entwickeln. Unsere Fraktion pocht seit mehreren Jahren immer wieder darauf, die klimaresiliente Waldentwicklung verantwortungsvoll voranzutreiben. Herr Bender wies in dem Zusammenhang weiterhin auf die große Bedeutung des Zusammenhangs zwischen waldbaulichen Zielen und der Jagdbewirtschaftung hin: nur, wenn hier eine sehr gute und enge Zusammenarbeit erfolge, könnten die waldbaulichen Ziele gelingen und insbesondere z.B. die grundsätzlich bedeutsame „Naturverjüngung“ (natürliches Nachwachsen aus eigener Kraft und Samenursprung) zum Ziel gelangen.
Die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes und die Zusammenarbeit mit Jagdgenossenschaften und Jagdpächtern bedeutet also eine große Verantwortung beim jetzigen Heranziehen klimaresistenter Wälder für nachfolgende Generationen. Der für Horhausen zuständige Revierförster ist Jan Robin Teubler (Forstrevier Flammersfeld) vom Forstamt Altenkirchen. Vor Kurzem ermittelte das Land RLP übrigens die durchschnittlichen Personalausgaben für staatliche Bedienstete im Revierdienst landesweit neu. Der durchschnittliche Personen-Kostensatz im Dritten Einstiegsamt (gehobener Forstdienst) liegt demnach bei 102.266 €/a (Stand 31.12.2025).

