Header-Bild

SPD Horhausen

Einblicke in die technische Wunderwelt der heimischen Stromversorgung

Aktuell


Foto: Christoph Orthen

Die EAM Netz GmbH informierte über Stand und Ausblick der Energiewende im Landkreis Altenkirchen

Im Wissener Kulturwerk waren jüngst die kommunalpolitischen Vertreter*innen aller Kommunen im Landkreis Altenkirchen von der Kreisgruppe Altenkirchen des Gemeinde- und Städtebundes geladen: die EAM = ein rein kommunales Unternehmen und zuständiger Netzbetreiber im Landkreis informierte vor etwa 150 Teilnehmer*innen umfassend über den aktuellen Sachstand des Netzausbaus und gab einen Ausblick in die Zukunft der Stromversorgung. Die drei Führungsverantwortlichen der EAM Netz GmbH referierten jeweils sehr fachversiert unter der Moderation von Berno Neuhoff (Verbandsbürgermeister Wissen/Sieg) zu Ihren jeweiligen Themen und beantworteten Fragen der Kommunalpolitiker.

Dr. Sebastian Breker, Geschäftsführer der EAM Netz referierte zunächst zur Organisation der Stromnetze in Deutschland und zur EAM Netz GmbH als Akteur und Netzbetreiber im Mittelspannungsnetz. Es folgten Johannes Rudolph – zuständig für den Netzbetrieb und Leiter der Niederlassung der EAM in Wissen/Sieg und sein gleichnamiger Kollege Johannes Rudolph – zuständig für den Ausbau der Erneuerbaren Energien (Wind und PV); sie berichteten aus Ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen.

Die EAM mit Hauptsitz in Kassel ist Netzbetreiber sowie Strom- und Gasversorger. Das erklärte bundespolitische Ziel ist bekanntlich die vollständige Dekarbonisierung bis 2045, also die Substituierung von Erdöl und Erdgas in jeglichen Bereichen. Der Fokus zur Zielerreichung liegt bekanntlich auf Windkraft und Photovoltaik. Bereits heute existieren rd. 100.000 EEG-Anlagen; etwa 51 % des Strombedarfs werden derzeit aus Erneuerbaren Energien erzeugt. Der Ausblick in die Zukunft prognostiziert allerdings eine erhebliche Steigerung des Strombedarfs durch die anvisierte Wärmewende und den Umstieg auf die eMobilität. Bis zum Jahre 2030 – also in „nur“ 5 Jahren - ist aus heutiger Sicht etwa alleine die 3,3fache Photovoltaik-Leistung des heutigen Standes erforderlich, um die politischen und auch wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. „Eine enorme Anstrengung, die nur durch Solidarität aller Akteure sowie klare Information und Mut zur Handlung zu stemmen ist!“ – so Dr. Breker.

Die Windkraft spielt im Kreis Altenkirchen aus verschiedenen Gründen eher eine zurückhaltende Rolle, der Fokus liegt daher zwangsläufig auf der Photovoltaik. Die Ziele können jedoch definitiv nicht durch Dachanlagen auch nur annähernd erreicht werden; der Bau von größeren PV-Freiflächenanlagen ist unumgänglich. Selbstverständlich nur dort, wo es nicht mit den Interessen der Landwirtschaft kollidiert – also auf ertragsschwachen Flächen. Die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld hat hierzu bereits vor gut 2 Jahren ein politisch klug durchdachtes Konstrukt auf den Weg gebracht und eine Potentialanalyse der Flächen erstellt. Die „Westerwald-Sieg-Energie GmbH & Co.KG“ ist das bereits gegründete Gesellschafts-Modell mit einer 30/60/10-Beteiligung: 30 % EAM, 60 % Kommunen und 10 % Bürgerbeteiligung. Die PV-Flächenkulisse ist insgesamt recht gering: kleine Parzellen, viele verschiedene Eigentümer und vor allem die Nähe zu einem möglichen Netzanschlusspunkt zum Mittelspannungsnetz verkomplizieren die Situation und entscheiden letztlich über die Wirtschaftlichkeit. „Es braucht letztlich die Bereitschaft an der gemeinsamen Aufgabe mitzuwirken – am Ende ist auch gesellschaftlich unser sozialer Friede gefährdet, wenn die Strompreise immer weiter steigen! Ohne Solidarität – geht es nicht!“ – so der Appell der EAM-Führungsköpfe an die kommunalpolitisch Verantwortlichen zur dringenden aktiven Mitwirkung an der Energiewende. Eine Erzeugungsanlage vor Ort hat auch für die jeweilige Kommune viele Vorteile: neben zusätzlichen Einnahmen kann beispielsweise auch die Energieautarkie der Gemeinde sowie der am Standort ansässigen Gewerbe- und Industriebetriebe gesichert werden. Das steigert Akzeptanz, schafft Arbeitsplätze und generiert auch zusätzliche Einnahmen in Form von Gewerbe- und Grundsteuern durch den ortsansässigen Anlagenbetreiber. 

Der Netzausbau im Landkreis ist derweil in vollem Gange. Etwa 40 Mio € hat die EAM Netz GmbH bereits in den letzten 5 Jahren investiert, etwa 86 Mio € seit Gründung in 2014. Ziele sind weitgehende Erd-Verkabelungen anstatt Dachleitungen, Erneuerung der Trafos, Ausbau der Netze insgesamt sowie modernste Komponenten. Dazu gehören neueste Netzkonzepte und die Anwendung klimafreundlicher Technologien. Anhand verschiedener aktueller Beispiele wurden die Maßnahmen im Landkreis verdeutlicht. Die vollständige Netzoptimierung wird nach Ansicht aller Fachleute noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Es wird deutlich: der „green Deal“ - also die politischen Ziele Deutschlands und der EU - sind sehr große und ambitionierte Herausforderungen. Die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes und der lieferbaren Stromleistung muss im Landkreis Altenkirchen in den nächsten 20 Jahren verfünffacht werden! Eine „muntere“ Gesetzeslage und die Komplexität der Aufgabe erschweren die Thematik und die notwendigen Entscheidungen. Dazu kommen Randbedingungen wie Materialengpässe, Kostendruck und Facharbeitermangel. Die Zahlen für den Landkreis: 145 km Mittelspannungsnetz sollen neu gebaut werden, 62 km müssen im Bestand verstärkt werden, 279 Trafos sollen getauscht und 10 neue Schaltstationen errichtet werden.

Die tiefen Einblicke – waren höchstinteressant. Die Herausforderung Energiewende – also die Mobilitäts- und Wärmewende – ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Unmissverständlich deutlich wurde das Ziel der Informationsveranstaltung: die Erneuerbaren Energien stehen im Fokus, die Kommunen sind hier in besonderem Maße zur Mitwirkung gefragt. Fred Jüngerich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld und Vorsitzender der Kreisgruppe Altenkirchen im Gemeinde- und Städtbund zum Ende der Veranstaltung: „Energiewende und Netzausbau sind unsere unverrückbaren Ziele – und eine komplexe riesige Herausforderung. Kommunen und Energieversorger wie die EAM müssen Hand in Hand arbeiten.“

Informationen zur EAM Netz GmbH finden Sie auf www.eam-netz.de.

 
 

Suchen

 

Counter

Besucher:352347
Heute:94
Online:5
 

Wetter-Online